Mayakalender, 254 Tage bis zum Weltuntergang?
Freitag, den 02. März 2012 um 15:12 Uhr

 

Mayakalender und der Weltuntergang 2012

Wer kennt das Datum nicht? Der berühmte 21. Dezember 2012 - der Tag an dem die Welt untergehen soll. Im "Suchen - Button" von Online-Shops erscheinen Tausende von  Angeboten zum Stichwort Mayakalender 2012. Was hat es nun mit dem Datum auf sich? Gibt es stichhaltige Beweise  für das Endzeitdatum? Oder wurde der Mayakalender gezielt zweckentfremdet -  als sichere Einnahmequelle für die Unterhaltungsbranche?

Die Suche nach der Wahrheit führte mich ein paar Jahrhunderte zurück in die Welt des 30jährigen Krieges (1618-1648). Der Glaubenskrieg verwüstete ganze Landstriche. Kriegshorden streiften durch das Land und pressten aus der völlig verarmten Bevölkerung noch den den letzten Scheffel Korn heraus. Hunger, Krankheiten und Tod waren der ideale Nährboden für Prophezeiungen. Seltsam ist, dass in der zweiten Hälfte des Jahres 1618 drei Kometen über den Himmel von Europa erschienen sind. Die ersten beiden verschwanden relativ schnell wieder, der dritte blieb jedoch von Oktober bis Januar 1619 hinein sichtbar.

Die Erscheinung des Kometen verursachte ein großes Interesse in Form von Flugschriften und  Traktaten, so auch vom  berühmten Astrologen und Astronom Johannes Keppler. Die Deutung der Kometen stand im Zusammenhang mit dem religiösen Weltbild der Menschen im 17. Jahrhundert. Sie wurden als "Strafe" Gottes interpretiert. 1619 erschien ein Buch mit dem Titel "Flagelli Saturni et Martis" in welchem der Autor den Kometen im 25. Grad des Zeichens Waage beobachtet hat. Im Oktober, kurz vor Sonnenaufgang, berichtet er von einem langen Strahl und vergleicht ihn mit der Gestalt eines türkischen Säbels. Die Wirkung beschreibt er mit einer heißen und trockenen Luft, welche Misswachs und Teuerung zur Folge hat, große  Schiffsunglücke, sowie Tod, Pest und Krieg! Der Komet war  ein unheilvolles Zeichen, welches sich letztendlich durch den Ausbruch des 30jährigen Krieges und seiner Schrecken  bewahrheitet hat. Der Komet war also keine Hellseherei, sondern wurde kausal mit dem beginnenden Schrecken in Verbindung gebracht.
 

Es gibt auch Versuche, mittels Hellsehern und Propheten das Ende der Welt 2012 zu prognostizieren. Nostradamus ist so ein Beispiel, seit 400 Jahren füllt er die Kassenbücher von Verlagen und gilt als Bestseller-Autor. Ein weiteres Beispiel ist der nicht so bekannte "Mühlhiasl", ein Waldprophet aus dem Bayerischen Wald. Seine bekanntesten Voraussagen sind die eines kommenden letzten Krieges, welcher durch verschiedene Zeichen erkennbar sei - so soll z.B.  ein außergewöhnlich warmes Frühjahr die Vorboten von Krieg und Verwüstung sein und wenn man die Männer und Frauen aufgrund ihrer Kleidung nicht mehr unterscheiden kann (Quelle: wiki). Es kursieren seitenlange Orakelsprüche des Mühlhiasl in Büchern und im Internet herum.
 

Ich versuchte, eine Quelle zu finden, welche die Aussagen des Mühlhiasl bestätigt. Nach stundenlangem Recherchieren war ich ziemlich enttäuscht: Ich habe keine einzige zeitgenössische Quelle gefunden. Im antiquarischen Buchhandel wurden 800 Treffer angezeigt - die erste verschriftlichte volksmündliche Überlieferung der Prophezeiungen vom Mühlhiasl stammt aus dem Jahr 1925! - ca. 200 Jahre nach dem Tod vom Mühlhiasl.
Ein paar Seiten in einem Heimatbuch reichen anscheinend aus, um damit ganze Bücherregale mit dem Mühlhiasl zu füllen? 
 

Meine Recherchen zu der Prophezeiung der Maya bzw. der Mayakalender sind ebenso ernüchternd. Es sind unzählige Bücher über den bevorstehenden Weltuntergang 2012 erschienen. Von einem neuen Zeitalter der Menschheit ist die Rede, von Endzeit und Bewusstseinserweiterung. Die Titel der Bücher klingen teilweise, als wenn sie unmittelbar nach dem Besuch einer Goa-Party geschrieben wurden.

Die verlassenen Ruinen der Mayastätten bieten reichlich Stoff für Mythen und Legenden. Die Wissenschaft versucht durch mühevolle Auswertung der Artefakte die Geschichte der Maya zu rekonstruieren. Im Februar 1519 brach der Spanier Hernan Cortes nach Mexico auf - in seinem Reisegepäck befand sich die Gier nach Gold, Krankheiten sowie Tod und Leid. Traurige Berühmtheit erlangte der Franziskanermönch Diego de Landa. Sein fanatisches Bestreben war die Christianisierung der Mayas. Diese wollten aber nicht - in seinem Wahn ließ der Mönch alle Figuren und Symbole der Mayas sowie deren Schriften verbrennen. Trocken bemerkte er, dass das Wehklagen der Mayas über die Vernichtung  außerordentlich groß war. Nur noch Teile von drei Maya Codices sind erhalten geblieben. Ein Codices, die sog. Venustafel, wird in der Unibibliothek in Dresden aufbewahrt.

Die Mayas hatten eine hochentwickelte Kaste von Kalenderpriestern. Die Maya-Kosmologie bestand aus 13 Baktun - Zyklen (. Der erste Zyklus begann am 13. August 3114 vor Christus) - der 13. Zyklus endet am 21. bzw. 23. Dezember 2012. Dieses Zyklusende wird nun als  das Ende unserer Welt verkauft. Ebenso sind skurile Gerüchte über eine seltene Planetenkonstellation um den 21. Dezember 2012 im Umlauf. Astronomisch, sowie astrologisch konnte ich keine seltene Planetenkonstellation entdecken.
 

Interessant bleibt die Frage, wieso die Maya die Gefährlichkeit von den spanischen Conquistadoren nicht erkannt haben - der Weltuntergang für die Mayas hat im Jahr 1519 stattgefunden - und nicht im Dezember 2012! 

c.o.: Brigitte Veit, Astrologie in Schondorf am Ammersee

 

 

 
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